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Spendenaufruf zur Restaurierung des Grab-Monuments
von Schliemanns Mutter auf dem Friedhof von Ankershagen

Neben dem ehemaligen Elternhaus Schliemanns, dem Pfarrhaus von Ankershagen, dem heutigen Heinrich-Schliemann-Museum, gibt es nur noch wenige erhaltene Zeugnisse, die an die Kindertage, von denen Schliemann in seinen autobiographischen Zeugnissen so lebendig zu berichten weiß, erinnern. Da ist das Hügelgrab „Glockenberg“ bei Friedrichsfelde gelegen, welches er sicherlich kannte. Das in seiner Autobiographie genannte Hügelgrab „Goldene Wiege“ ist zwar auch noch da, mitten im Ort, dürfte aber den Besuchern kaum auffallen. Es ist stark bewachsen und teilweise zerstört. Das „Relief in rotem Ton“, von den alten Dorfbewohnern dem Jungen als Bildnis des Henning Bradenkirl vorgestellt, kann an der Rückseite an dem nun schon seit Jahren unbenutzten „Schloss“ von Ankershagen besichtigt werden, auch wenn die ungepflegte Umgebung mit den stark zerfallenen ehemaligen Guts-Gebäuden kaum zum Verweilen einlädt. Auch der alte Turm, in dem Henning seine Schätze vergraben haben soll, erinnert den auf den Spuren Schliemanns Wandelnden an seine Kindheit. Und da ist die alte Kirche, die Arbeitsstelle seines Vaters, an welcher gerade Instandhaltungsarbeiten stattfinden, eine lobenswerte Sache, um dieses Kulturdenkmal hoffentlich für die nächsten Jahrhunderte fit zu machen.

Was nicht mehr erhalten ist, ist der ursprüngliche Grabstein und das Gitter um das Grab, welches der Vater Schliemanns nach dem frühen Tod seiner Frau setzen ließ. Dafür ist ein besonderes Denkmal erhalten, nämlich das Grabkreuz, welches Schliemann seiner Mutter als selbstbewusster, reicher Kaufmann errichten ließ und auf Grund seiner Inschrift zum Gedenken an beide, den Stifter und die Verstorbene, erinnert. Dieses Zeugnis, welches nun fast 150 Jahre überdauert hat und kulturhistorisch in mehrfacher Hinsicht interessant ist, hat eine dringende Sanierung nötig.

Um diese Sanierung von fachkundiger Hand ausführen zu lassen, bedarf es der notwendigen finanziellen Mittel, welche uns zurzeit nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen. Deshalb bitten wir alle Schliemann-Freunde und die Mitglieder unserer Schliemann-Gesellschaft durch eine zweckgebundene Spende zur Erhaltung dieses einzigartigen Denkmals beizutragen. Wie schrieb doch Heinrich Alexander Stoll, einer der erfolgreichen Schliemann-Biografen, angesichts einer Reise nach Ankershagen vor etwas mehr als einem halben Jahrhundert:„Erben heißt nicht nur dankbar annehmen, man muss auch etwas dafür tun!“ Diese Worte haben seitdem wohl kaum etwas von ihrer Gültigkeit verloren und es bleibt zu hoffen, dass wir auf Grund ihrer Mithilfe bald danach handeln können.

Ich habe mich der kleinen Aufgabe unterzogen, etwas über die Geschichte dieses Grabkreuzes zusammenzustellen, und lasse da, wo die Quellen sprudeln, diese für sich sprechen. Nur da, wo es sinnvoll erscheint, einige Hintergrundinformationen mitzuteilen, werde ich diese ergänzend liefern.

Der frühe Tod der Mutter und das Grabdenkmal des Vaters für seine verstorbene Frau

Am 22. März 1831 wird Schliemanns Mutter, nicht ganz 38 Jahre alt, zu Grabe getragen. Gestorben sei sie nach der Geburt ihres neunten Kindes an hitzigem Nervenfieber. Dass der Pastor Schliemann sich außerehelicher Beziehungen mit Hausangestellten nicht enthielt und es für den neunjährigen Schliemann traumatische Erinnerungen an diesen Abschnitt seiner Kindheit gab, ist in den letzten Jahrzehnten in der Schliemann-Forschung ausführlich erörtert worden. Dennoch ist in dieser Hinsicht eine auf italienisch im Schliemann-Nachlass überlieferte Sprachübung interessant, die der Petersburger Großkaufmann 30 Jahre nach dem Tod der Mutter niederschrieb und aus der uns auch Informationen über das Grabmal, welches der Vater seiner Frau setzen ließ, zugänglich sind:

„Mein Vater war Pastor … er hatte viele Kinder und wenig Geld. Er war ein liederlicher Mensch, ein Sybarit; er enthielt sich nicht ehebrecherischer Beziehungen zu den Mägden, die er seiner eigenen Frau vorzog. Seine Frau misshandelte er und ich erinnere mich aus meiner frühesten Kindheit, dass er sie wüst beschimpfte und bespuckte. Er schwängerte sie, um sie loszuwerden und misshandelte sie mehr denn je während ihrer (letzten) Schwangerschaft. So kam es, dass ein Nervenfieber, an dem sie erkrankte, schnell zu ihrem Tode führte. Mein Vater täuschte daraufhin schweres Leid und großen Kummer vor und veranstaltete ein prunkvolles Begräbnis für die, die er aus Schlechtigkeit getötet hatte, und obgleich es ein harter Winter und die Erde zugefroren war, ließ er eine prächtige Grabstätte errichten … von einem Gitter umgeben und mit folgender Inschrift versehen: Ruhe in Frieden, süße Frau! Mutter! Schlafe, bis  die  große  Posaune  ertönt  und  Dich aus dem Dunkel des Grabes wiederbringt. Wir werden Deiner gedenken, bis der Geist von der Schale der Lethe trinkt“[1]

Ob die Inschrift wirklich diese Ausführlichkeit besaß, wie sie Schliemann hier aus der Erinnerung wiedergibt, wird sich nicht mehr klären lassen, dass er diese aber vielleicht als Heuchelei empfand, scheint aus seinen Worten zu sprechen. Ob hier ein Indiz dafür zu suchen ist, dass Schliemann später den Grabstein seines Vaters nicht restaurieren ließ, nachdem dieser sich in einem schlechten Zustand befand, sondern durch das gusseiserne Grabkreuz, welches heute noch auf dem Friedhof zu finden ist, ersetzte?

Nach seiner Rückkehr aus Amerika 1852 besucht Schliemann Verwandte und Bekannte in Mecklenburg. Dabei macht er auch einen Abstecher nach Ankershagen: Er „fuhr dann am 11./23. Juli mit dem Dampfer ‚John Bull’ von London nach Hamburg, von wo ich sofort über Schwerin nach Rostock weiterreiste. Auf dem Bützower Bahnhof traf ich mich mit zwei meiner Schwestern“. Über „Wismar, Grevesmühlen, Kalkhorst, Rostock, Doberan, Güstrow, Kalkhorst, Boltenhagen, Wismar, Schwerin, Ludwigslust, Parchim, Lübs, Malchow, Waren, Möllenhagen“, erreichte er  Ankershagen, das kleine Dorf, in dem er aufgewachsen war. „Unmöglich kann ich den Eindruck beschreiben, den der Anblick all jener Plätze in mir erweckte, wo ich die glücklichen Jahre meiner frühen Kindheit verbracht hatte und wo jedes Haus, jeder Baum, jeder Stein und jeder Busch tausend schöne Erinnerungen an längst vergangene Jahre erweckte. Jeder Gegenstand muß dem Auge eines Kindes wohl in riesenhaften Verhältnissen erscheinen, denn der Kirchturm, der mir einst ungeheuer groß erschienen war und den ich für den größten der Welt gehalten hatte, der Lindenbaum inmitten des Obstgartens ,der mir früher die Wolken zu berühren schien – nun erschien mir alles ganz klein, ausgenommen die Balsampappeln und die Kirschbäume vor der Tür, die inzwischen wohl sehr gewachsen sein mussten, denn sie kamen mir jetzt genau so hoch vor wie vor einundzwanzig Jahren. Ich fand meine Initialen H. S. auf den Fensterscheiben des Hauses, in dem wir gewohnt hatten, in den Bäumen des Gartens und im Hof, denn als Kind hatte ich die Gewohnheit, sie überall einzuschneiden; und in dem großen Lindenbaum, in dem ich mich mit einem Beil in zwei Fuß langen Initialen verewigt hatte, waren sie so frisch, als wären sie erst vor einem Monat  eingeschnitten. An der Tür des Pavillons im Garten fand ich noch eine Inschrift, die mein Vater mit dem Bleistift angeschrieben hatte, am 7. Mai 1827.

Der gegenwärtige Pastor Conradi erwies mir jede Gefälligkeit und begleitete mich zur Kirche und zum Grabe meiner Mutter, dessen Gitter sehr verfallen war. Nachdem ich ein paar Stunden meine Neugier so gut wie möglich befriedigt hatte, mietete ich mir vom Gastwirt einen Wagen und ein paar Pferde und fuhr nach Vipperow an der Müritz, um eine andere Schwester zu besuchen, die bei meinem Onkel Wachenhusen lebt.“[2]

Den zerfallenen Zustand des Grabes registriert Schliemann, noch scheint in ihm aber nicht der Gedanke aufzukeimen, seiner Mutter ein neues Grabdenkmal zu stiften. Finanziell in der Lage dazu ist er zu dieser Zeit sicherlich schon. Den Anstoß dafür scheint aber ein Brief seiner Schwester zu geben, welchen sie ihm fünf Jahre später mit einem Bericht über einen Besuch aus Ankershagen sendet:

„Im Frühling war ich zum ersten Mal wieder in Ankerhagen, um das Grab unserer guten Mutter zu besuchen. Mit welchen Gefühlen ich meinen Geburtsort wiedersah, kann ich Dir nicht sagen. Mit heißen Thränen suchte ich den Kirchhof auf und fand auch das Grab unserer so früh dahingeschiedenen Mutter, aber es sah so wüste aus, hohes Unkraut und vertrocknetes Gras waren nur auf dem Grabhügel zu sehen, und ich machte mich natürlich dabei, dies auszuwieten und meine Arbeit sollte belohnt werden, denn tief am Grunde, ganz verdeckt von Unkraut, blüheten die schönsten Veilchen und sahen mich so freundlich an, als brächten sie mir Grüße von unserem Mutting und ein Zeichen ihrer Liebe! Einliegend sende ich Dir einige davon, sowie auch noch einige Epheublätter von dort, ich hoffe, es wird Dir lieb sein…“[3]

Heinrich Schliemann stiftet seiner Mutter ein neues Grab-Monument

Anlässlich eines Kurzbesuches in Berlin, vermutlich 1858, gibt Schliemann für seine Mutter „ein großes, eisernes Monument mit Vergoldung“[4]in Auftrag. Die von Schliemann individuell vorgegebene Inschrift für das Grabkreuz seiner Mutter lautet:

Henry Schliemann
in St. Petersburg, seiner geliebten Mutter
Louise Therese Sophia Schliemann, geb. Bürger,
geb. d. 19 Mai 1793, gest. d.22 Maerz 1831

Damals wurden diese Grabkreuze mit individueller Inschrift in der Berliner Eisengießerei in Serie gefertigt und es sind nicht wenige Grabdenkmäler, die die Zeiten überdauert haben. Doch darüber wird noch später zu berichten sein. Die Kosten für das Grabkreuz und nach Meyers Angaben auch eines eisernen Gitters sind uns durch den Briefwechsel Schliemanns mit seiner Tante Hager in Kalkhorst überliefert. Nach dem Eintreffen der Todesnachricht von seiner Cousine Sophie macht er seinen Verwandten heftige Vorwürfe, ihn nicht von der Krankheit seiner Cousine benachrichtigt zu haben. Daraufhin bestellt er für die Verstorbene ein Grabmal, ebenfalls ein Gusseisenkreuz, allerdings anderen Designs. Zunächst möchte er über alles genauesten Bericht und nennt den Kaufpreis für das Grabkreuz seiner Mutter:

"Das Grabmal meiner Mutter kostete mich 40 Reichstaler."[5]

Kurze Zeit später ändert er seine Meinung und schreibt: „Ich mache aber die Bedingung, dass Du mir weder in Deinen Briefen noch mündlich ein Wort mehr von den traurigen Umständen erwähnst, [gemeint ist der Tod seiner Cousine – R. H] ausgenommen, wenn die Kosten für das Grabmal die von mir gesandten 100 Reichstaler überschreiten.“[6]

Über die Aufstellung des Grabkreuzes seiner Mutter soll ihm nach Ernst Meyers Angaben sein Freund Lenz 1859 Bericht erstattet haben.[7]

Nachrichten über das Grab der Mutter nach der Aufstellung des neuen Grabkreuzes

Am 6. April 1862 schreibt der Schneider Friedrich Wöllert aus Ankershagen einen herzzerreißenden Brief und bittet um finanzielle Hilfe, nicht ohne dabei unerwähnt zu lassen: „Das Grab Ihrer Mutter hat meine Frau alles gut besorgt das Denkmal ist auch sehr hübsch.“[8] Dies dürfte bei Schliemann wohl kaum seine Wirkung verfehlt haben.

Ernst Meyer erwähnt im Zusammenhang mit Wöllert noch, dass Unterstützungen an ihn durch Vermittlung von Lenz zustande kamen, jedoch konnte ich auch hier die Quelle nicht ausfindig machen. Die Pflege des Grabes bestätigt auch Schliemanns Schwester Doris anlässlich eines Besuches am 25. August 1863 in Ankershagen:

„Ja, mein Heinrich, die Inschriften an den Fensterscheiben im Pfarrhaus und an der Gartenhaus Thür in Ankershagen interessirten auch uns sehr, so wie überhaupt nur das, was wir noch von früher in Haus und Garten fanden, Interesse für uns hat! So wurde auch das alte Gartenhaus schon vom Klockower Wege aus mit lauter Freude begrüßt, ebenso der Eckstein am Wege, worauf wir so oft unser Butterbrod verzehrten, - auch der Rosenstrauch am Kirchenberg war noch da, die Balsampappeln vor der Thür, die große Linde, der Hölltidsbirnbaum, wie wir ihn nannten, im Garten, der Gamsebirnbaum, der Krähenbirnbaum, der große Budsbirnbaum, der Graben mit den großen Blättern, der Wallnussbaum im hintersten Garten, die Äfkenbäume, und die Linde dort, auch sämtliche große Nussbäume, wo wir uns mit Häkeln und Beuteln beworfen, die Nüsse aber stets unreif abpflückten, standen noch am alten Platz, auch die Hagebuchenlaube, die Mutter gepflanzt.

Sonst aber war auch vieles für unsere Erinnerung fast unkenntlich. Aber frisch wie gestern geschrieben fand mein Mann an der Gartenhaus-Thür von Deiner Hand geschrieben: Auf Matrosen usw., und darunter „Heinrich Schliemann, Matrose“. Auch die zehn Redetheile, die Vater uns vor gewiß einigen 30 Jahren zum Lernen dort angeschrieben, standen noch ebenso frisch dort. Es war an dem Tage nur so schlechtes stürmisches Wetter und Regen, sonst würden wir noch mehr rumgegangen sein, um Entdeckungen zu machen, und vom Pfarrhause haben wir nur unsere frühere Wohnstube mit allen Inschriften, Vaters frühere Stube und Kammer und Mutters Stube gesehen. Der Pastor Becker war sehr freundlich und herzlich, aber die Pastorin weniger zugänglich. Mutters Grab fanden wir ganz nett mit Blumen besäet und zurecht gemacht, und das schöne gusseiserne Kreuz war eine Zierde für dasselbe…“[9]

Im Jahre 1879 besuchen Heinrich Schliemann und Sophia Ankershagen. Sicherlich werden sie das Grab der Mutter bei dieser Gelegenheit besichtigt haben. Überliefert ist, dass sie sich mit Hilfe eines Diamantringes in einer der Fensterscheiben des Pfarrhauses verewigten. Ein Hinweis darauf, dass er die Gewohnheit, seinen Namen hier zu hinterlassen, nicht nur als Kind pflegte, wie er noch 1852 schrieb.

1883 weilt er mit seiner ganzen Familie im Dorf seiner Kindheit. Auguste Becker, die Tochter der Pastorenfamilie Becker erinnert sich in späterer Zeit an diesen Besuch. „Mit großer Liebe sprach er von seiner Mutter und sorgte für ihr Grab.“[10] Nach diesem Besuch übernahm sie auch die Pflege der Grabstätte.

Der nächste mir bekannte Hinweis über den Zustand des Grabes stammt von Ernst Meyer, welcher angibt, dass sich das Kreuz und ein Gitter noch 1935 am Ort und in Pflege befanden.[11]

Der Schriftsteller Heinrich Alexander Stoll besuchte Ankershagen im Jahre 1954. Er weiß zu berichten, dass das Grabkreuz erst kürzlich wieder aus dem Raum im Turm der Kirche an Ort und Stelle versetzt worden sei. Vom Vorhandensein eines Gitters berichtet er nichts. Allerdings verweist er darauf, dass vom Grab selbst nichts mehr zu sehen wäre. Schaut man sich die Ausrichtung der Gräber auf dem Friedhof an, so sind diese mit der Inschriftenseite alle nach Osten, also in Richtung des Chores ausgerichtet. Nur das Grab der Mutter Schliemanns fand seine Ausrichtung nach Westen, also zum Turm hin. Ist die Vermutung richtig, dass man damals das Kreuz „verkehrt herum“ eingesetzt hat und die Einfriedung der Grabstätte „neu“ ist? Als ich 1978 nach Ankershagen kam, war das Kreuz tatsächlich mit zwei Eisenstücken im unteren Bereich an einer Bruchstelle geschient worden. Alte Leute aus dem Dorf berichteten, es sei durch einen Blitzschlag zerstört worden, und es muss wohl danach einige Jahre im Turmraum der Kirche gestanden haben. Ob Pastor Sadler nach einem Gespräch mit Stoll die Initiative ergriffen und das Grabkreuz wieder aufstellen ließ?

Die erste Sanierung des Grabkreuzes auf Initiative des Schliemann-Beirates

Im Jahr 1978 wurde ein ehrenamtlicher Schliemann-Beirat, bestehend aus Einwohnern der Gemeinde Ankershagen und des damaligen Kreises Waren, berufen. Seine Zielstellung war es, eine Schliemann-Gedenkstätte in Ankershagen einzurichten. Bereits auf seiner konstituierenden Sitzung, am 18.10. 1978, wurde die Instandhaltung des Grabkreuzes und die dazu erforderliche Einholung der Zustimmung durch die Vertreter der Evangelisch-Lutherischen Kirche zu dieser Maßnahme beschlossen.

Es war höchste Zeit, hier tätig zu werden, denn wie oben schon geschildert, zeigte sich das Kreuz in einem unschönen und stark korrodierten Zustand, so dass die Inschrift kaum mehr lesbar war. Der untere abgebrochene Teil der Vignette lag wohl schon jahrelang auf dem Steinsockel. Kein Besucher, davon gab es zu dieser Zeit ja kaum welche, hatte sich dieses Souvenir in die Tasche gesteckt. Die Vertreter der Kirche erteilten dem Beirat am 10.Oktober 1979 ihre Zustimmung.

„Auf der Grundlage eines Gespräches, das Dr. Bölke und Koll. Wulff mit der kreislichen Kirchenleitung geführt haben, wird beschlossen, die zukünftige Schliemann-Gedenkstätte in zwei Räumen des Pfarrhauses einzurichten. Die zum Pfarrgehöft gehörenden und unter Denkmalschutz stehenden Gebäude Stall und Scheune, sollen erhalten und der ehemalige Zustand wiederhergestellt werden. Das gleiche trifft auf das Gartengelände mit dem Teich ‚Silberschälchen’ und das Grabkreuz von Schliemanns Mutter zu.“

Für die Restaurierung wurde das Agrarhistorische Museum verantwortlich gemacht.

Die Auftragserteilung durch den Schliemann-Beirat erfolgte am 26.März 1980, nachdem man sich auf die Vorgehensweise, Entrostung, Verzinkung und Farbgebung geeinigt hatte.

Das Protokoll vom 20. Oktober 1980 vermerkt dann auch die Wiederaufrichtung des gusseisernen Kreuzes. Am 19. Dezember 1980 konnte auch das Hauptziel des Beirates erfolgreich erreicht werden, die Einweihung der Schliemann-Gedenkstätte in Ankershagen.[12]

Der untere Teil des Grabkreuzes konnte jedoch nicht geschweißt werden, deshalb wurde das Kreuz in einen hohen Betonsockel eingelassen, welcher den fehlenden unteren Teil ausglich.
Im Juli 1994 fiel der untere Teil der Vignette wieder herunter, konnte im Efeu geborgen und notdürftig wieder angebracht werden. Die Stelle unter der Vignette war aber stark korrodiert.
Zwischen dem oberen und unteren Teil der Vignette blieb nun aber ein breiter Spalt. Die Inschrift, welche 1980 nur mit Gold-Farbe hervorgehoben worden war, zeigte Verwitterungserscheinungen, so dass sie nur noch schlecht lesbar ist.

Eine Sanierung scheint also dringend geboten, um weiteren Beeinträchtigungen vorzubeugen. Dies gilt insbesondere für die Beseitigung der Roststellen unter der Vignette, deren sachgerechte Instandsetzung und das Hervorheben der Inschrift und der Verzierungselemente.

Aber man könnte noch einen Schritt weitergehen, wenn es die Mittel gestatten und wir uns vom angestammten Anblick des Grabmahls trennen wollen, denn historische und kürzlich restaurierte Grabkreuze aus der gleichen Zeit zeigen, dass auch dieses Kreuz nach seiner Fertigstellung anders ausgesehen haben könnte.

Grabkreuze aus der Berliner Eisengießerei
im Stile des von Schliemann bestellten Monuments

Die Berliner Eisengießerei nahm ihre Tätigkeit im Jahre 1804 auf und produzierte bis zu ihrer endgültigen Schließung 1874 auch Grabdenkmäler und gusseiserne Grabgitter. Viele Entwürfe von gusseisernen Grabkreuzen stammen von Peter Beuth und Friedrich Schinkel, welche zwischen 1821 und 1837 in dem Werk „Vorbilder für Fabrikanten und Handwerker“ herausgegeben wurden. Diese Denkmäler wurden mit ihren schlichten klassizistischen oder neugotischen Formen und Schmuckelementen bis ins 20. Jahrhundert hinein meist manufakturmäßig hergestellt. Da Schliemann das gusseiserne Grabkreuz für seine Mutter in Berlin 1858 in Auftrag gab, ist anzunehmen, dass der Auftrag in der Berliner Eisengießerei ausgeführt wurde.

Es gehört zu den steingesockelten Grabkreuzen, dessen Arme in Dreipässen auslaufen und mit Sternen verziert sind. Auf Grund ihrer schlichten und klaren Formen waren diese Grabmäler sehr beliebt und blieben bis heute in größerer Zahl erhalten. Zusätzlicher Schmuck, beim Grabkreuz von Schliemanns Mutter die Vignette, bei anderen ist es der Schmetterling als Symbol und Attribut der Psyche oder patriotische Inschriften, wurden auf individuellen Wunsch als Verzierungselemente angebracht. Auf Berliner Friedhöfen, aber auch in anderen Landesteilen kann man noch viele sich ähnelnde Stücke vorfinden. Auch die Gräber von bekannten Persönlichkeiten, so das Grab von Baron von Puttkamer[13] auf dem Garnisonsfriedhof in Berlin oder das der Henriette Herz[14] auf dem Halleschen Friedhof in Berlin, zieren diese gusseisernen Grabkreuze in gleicher Form wie das von Schliemanns Mutter. Diese Grabdenkmäler wurden erst kürzlich restauriert. Während der Rand der Arme mit den Dreipässen bei dem Kreuz des Baron von Puttkammer keine Vergoldung erkennen lässt, wohl aber die übliche Vergoldung der Inschrift und der Sterne aufweist, ist der Rand des Kreuzes der Henriette Herz und anderer gusseiserner Grabkreuze auf dem Halleschen Friedhof ebenfalls vergoldet. Es stellt sich nun die Frage, ob man sich diese Art der Vergoldung nicht auch beim Grabkreuz der Mutter vorstellen muss. Denn Schliemann weist ausdrücklich darauf hin, dass er „ein großes, eisernes Monument mit Vergoldung“ in Auftrag gegeben habe, was er bei einer vergoldeten Inschrift und der üblichen vergoldeten Verzierungselementen wohl kaum betont haben würde.

Bemühungen um die Erhaltung des Grabes diskutiert und Spendenaufruf beschlossen

Auf der Mitgliederversammlung unserer Gesellschaft am 10.6.2007 wurden die Maßnahmen zur Erhaltung des Grabdenkmals für Schliemanns Mutter diskutiert und fanden breite Zustimmung. Aus der Mitte unserer Mitglieder kam der Vorschlag, hierfür einen zweckgebundenen Spendenaufruf ins Leben zu rufen. Bereits zuvor hatte der Vorstand Herrn Walter Preik gebeten, einen Kostenvoranschlag zu erstellen. Dr. Wilfried Bölke berichtete darüber, dass dieser in Arbeit sei und so angelegt sein wird, dass die Roststellen beseitigt und die gebrochene Vignette fachkundig instand gesetzt werden soll. Herr Walter Preik machte darauf aufmerksam, dass eine Vergoldung mit Blattgold zwar möglich ist, dies aber genauso wie das Nachziehen der Inschrift mit Gold-Farbe sehr zeitaufwändig und darum kostenintensiv sei. Darum habe ich mich sehr gefreut, dass Herr Ludewig und Herr Meyn ihre Hilfe anboten und sich bereit erklärten das Nachziehen der Inschrift mit Gold-Farbe auszuführen. Sollte allerdings eine Blattvergoldung bevorzugt werden, müsse dies schon von fachkundiger Hand erfolgen. Ob allerdings auch die Umrandung vergoldet werden sollte, wir wissen ja nicht, ob dies jemals der Fall war, ist nicht von solcher Relevanz. Wichtig ist nur, dass dieses für Ankershagen so bedeutsame Geschichtszeugnis noch für lange Zeit erhalten bleiben muss.

Um dieses Ziel realisieren zu können, bitten wir sie um eine zweckgebundene Spende und würden uns darüber sehr freuen, denn schon im Jahre 2009 wird dieses Denkmal 150 Jahre alt und es wäre schön, wenn wir unser Vorhaben bis dahin realisieren könnten.

Rainer Hilse
(Vorsitzender der Heinrich-Schliemann-Gesellschaft)

Spenden richten Sie bitte an:
Heinrich-Schliemann-Gesellschaft Ankershagen e. V.
Zahlungsgrund: Spende Grabkreuz
BLZ:150 501 00
Kreditinstitut: Müritz-Sparkasse
Konto-Nr.: 640033458


[1] Carolinum; 37. Jg. – Nr.60/61 1971; Herbst: G. Niederland: H.S- Leben und Werk in tiefen-psychologischer Sicht, S. 37. Handschriftliches Dokument in italienischer Sprache in den als „Sprachübungen“ betitelten Bandes im Schliemann-Nachlass der Gennadios-Bibliothek in Athen.
Niedergeschrieben etwa 30 Jahre nach dem Tod seiner Mutter.

[2] Aus dem Amerika Tagebuch von 1852; zitiert nach H.A.Stoll in Abenteuer meines Lebens, Berlin, S.124/125

[3] Ernst Meyer; Briefwechsel I,  S. 90, Brief von Schwester Luise; Röbel, 5.11.1857 (Nr.56)

[4] Ernst Meyer; Heinrich Schliemann-Kaufmann und Forscher,  S.51

[5] Das Jahresgehalt eines Dorfschullehrers betrug damals in Mecklenburg 20-30 Thaler.

[6] Emil Ludwig,: Heinrich Schliemann; an seine Tante Hager (1868): S. 114.

[7] Eine Quelle für diese Angabe Meyers konnte nicht gefunden werden. Die Briefe von Lenz an Schliemann (Meyer schreibt Lentz) aus dem Bestand der Gennadios Bibliothek wurden daraufhin durchgesehen, jedoch ohne Erfolg. W. Bölke und Tremper a.a.O. beziehen sich wohl auch auf Meyer als Quelle.

[8] Meyer, E., Briefwechsel I S.113; Brief von Wöllert: Ankershagen, 6. Aprill 1862 .(Nr. 80). Frau Wöllert hatte auch die Verstorbene während ihrer Krankheit besucht und bei ihrer Vernehmung anlässlich der Untersuchungen zu den Verfehlungen seines Vaters als Grund angegeben: „Sie war so eine vortreffliche Frau“.

[9] Ernst Meyer; Briefwechsel I S. 123 Brief von Schwester Doris: Röbel, 25. August 1863(Nr. 92).

[10] H. A. Stoll; Abenteuer meines Lebens; S.242. Brief von Auguste Becker, Tochter von Pastor Becker; Neubrandenburg 24.10.1911 über den Besuch Schliemanns 1883 in Ankershagen.

[11] Ernst Meyer; Heinrich Schliemann-Kaufmann und Forscher; S. 318 Anm. 158.

[12] Protokolle des Schliemann-Beirates vom:18.10.78, 10.10.79, 13.3.80, 20.10.80,

[13] Das Grabkreuz des Hauptmannes und Spezialdirektors der Berliner – Potsdamer Eisenbahn, Baron Herrmann von Puttkamer wurde 1993 verschleppt.

[14] Henriette Herz (* 5. September 1764 in Berlin; † 22. Oktober 1847 in Berlin; geborene de Lemos) war Schriftstellerin und Inhaberin eines führenden Berliner Literarischen Salons zur Zeit der Frühromantik. Sie war mit dem Arzt und Schriftsteller Marcus Herz verheiratet.
1999 wurde ihr Grab zum Berliner Ehrengrab erklärt.

 

Heinrich Schliemann: Bild größer
Das Museum: Heinrich-Schliemann-Museum
Bild größer Zeichnung von
Werner Schinko, Röbel