Dauerausstellung
Heinrich Schliemann - Leben, Wirken und Gedenken
Eröffnet am 13. September 1998 anlässlich der Wiedereröffnung des sanierten Museumsgebäudes.
Ziel der Dauerausstellung ist es, Leben und Wirken Heinrich Schliemanns (1822-1890) nach dem neuesten Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse der Schliemann- und der Troja-Forschung darzustellen, und zwar kritisch, objektiv, seine Verdienste würdigend, auf seine Irrtümer und Fehler hinweisend.
Thematisch verteilt sich die Dauerausstellung
auf fünf Räume im Erdgeschoss des Hauses.
Das Dachgeschoss beherbergt wechselnde
Sonderausstellungen, das ehemalige Kinderzimmer Heinrich Schliemanns und eine
Mägdekammer.

Erdgeschoss
Im Eingangsbereich
grüßt eine Schliemann-Büste den eintretenden Besucher, eine Zeittafel macht mit Daten zu Leben und Werk des Archäologen bekannt, eine Chronik des Museums dokumentiert die Museumsarbeit und ein Stammbaum der Familie Schliemann bietet Gelegenheit zu genealogischen Betrachtungen.
Raum 1:
Altertumsforscher und Ausgräber in der Türkei und in
Griechenland 1870-1890
Dargestellt werden die ersten Grabungen in Hissarlik (Troja). Der Besucher kann sich anhand einer Abbildung der Schichtenfolge von Hissarlik über die lange Besiedlungsgeschichte des Hügels informieren und bekommt einen Eindruck davon vermittelt, welch enormen Schwierigkeiten der erste Ausgräber dieses Areals gegenüber stand.
Ein Modell der Akropolis und Unterstadt von Troja VI vermittelt ein anschauliches Siedlungsbild.
Zusätzlich findet der Besucher Edelmetallnachbildungen von Fundstücken aus dem sog. Schatz des Priamos vor. Auch Schliemanns Grabungen in Mykene, Orchomenos und Tiryns werden in diesem Ausstellungsraum dokumentiert.
Die Informationen in Text und Bild auf den Wandtafeln werden ergänzt durch die Modelle der Akropolis von Mykene und Tiryns sowie durch edelmetallene Nachbildungen von Gefäßen und Prunkwaffen ("Totenmaske des Agamemnon") aus den Schachtgräbern von Mykene.
Raum 2:
Kindheit und Jugend in Mecklenburg 1822 - 1841
Dieser Raum ist den Kinder- und Jugendjahren Schliemanns gewidmet,
die ihn, auch wenn sie bedrückend anmuten, tief geprägt haben
und zu einer lebenslangen engen Bindung des Kosmopoliten an seine mecklenburgische
Heimat führten.
Neben dem Geburtsort Neubukow nehmen die Jahre 1823-1831, die Schliemann
in Ankershagen verlebte, breiten Raum ein, illustriert von einem Modell
vom ursprünglichen Aussehen des Pfarrgrundstückes.
Weitere Themen sind der Aufenthalt bei seinem Onkel in Kalkhorst, wo der junge Heinrich auf die Schulzeit vorbereitet wurde und die Schulzeit in Neustrelitz, die durch Geldmangel des Vaters abrupt endete.
Darüber hinaus wird der Besucher über Schliemanns Lehrjahre in einem Fürstenberger Krämerladen informiert und nimmt im weiteren Verlauf der Ausstellung teil an Schliemanns Aufbruch in die Neue Welt - nach Amerika. Doch das Vorhaben findet ein jähes und vorzeitiges Ende beim Schiffbruch vor der holländischen Insel Texel.
Raum 3:
Handelskaufmann in Holland und Russland 1842 - 1869
Dokumentiert werden Schliemanns Jahre als Kontorbote in Amsterdam, in denen er beginnt, auf seine ganz eigene Weise Fremdsprachen zu erlernen, darunter Russisch. Dank seiner Fähigkeiten wird Heinrich Schliemann Korrespondent und Buchhalter im Handelshaus von B. H. Schroders & Co. in Amsterdam. Schließlich wird der 24jährige in das ferne St. Petersburg entsandt, um dort eine Filiale des Amsterdamer Handelshauses zu eröffnen. Dabei bleibt es nicht - Schliemann gründet sein eigenes Handelshaus und erwirtschaftet mit kaufmännischer Raffinesse und rastlosem Eifer ein enormes Vermögen. Er wird Großkaufmann der Ersten Gilde in St. Petersburg.
Einen wesentlichen Bestandteil dieses Ausstellungskomplexes bildet Schliemanns russische Familie, über die ausführlich informiert wird. Innere Unrast und die Suche nach einem neuen Lebensinhalt führen Schliemann auf die Spur des legendären Troja.
Raum 4:
Schliemanns Verbundenheit mit der mecklenburgischen Heimat
... zeigt sich durch beständige Kontakte zu den Geschwistern, ebenso wie zu Jugendfreunden, wie etwa Minna Meincke und Wilhelm Rust.
Thematisiert wird auch Schliemanns wenig bekannte Unterstützung für notleidende Mecklenburger. Darüber hinaus werden seine Beziehungen zu Mecklenburger Wissenschaftlern und Herrscherhäusern namhaft gemacht.
Raum 5:
Tod und Nachleben
Umfangreichere Auszüge aus Schliemanns Testament bezeugen dem Besucher, dass Heinrich Schliemann auch bezüglich seines Todes nichts dem Zufall überließ.
Ein wesentlicher, hier dokumentierter Schwerpunkt der Museumsarbeit umfasst die Revision des legendenumwobenen Schliemannbildes. Schliemanns bleibende Lebensleistung wird in der Ausstellung herausgearbeitet und die Erbepflege in Mecklenburg aufgezeigt.
Dachgeschoss
Das Kinderzimmer Heinrich Schliemanns
dient als Raum für museumspädagogische Angebote, ist also im besten Sinne des Wortes wieder ein Zimmer für Kinder. Die Besucher finden hier verschiedene thematische Stationen:
- Station 1: "Der Götterberg", der viel über die olympische Götterwelt erzählt
- Station 2: "Aus der Arbeit eines Archäologen" beleuchtet den Alltag eines Ausgräbers
- Station 3: "Aus der Arbeit eines Restaurators" - junge Museumsbesucher können Scherben zu Vasen zusammenpuzzeln und kaputte Linear-B-Tafeln zusammensetzen
- Station 4: "Maltisch" für die Kleinen
- Station 5: "Wo würdest Du Troja suchen?" verlangt geografische Kenntnisse
- Station 6: "Ein Sprachgenie auf Reisen" - in 19 Sprachen ertönt auf Knopfdruck der Satz "Guten Tag, ich heiße Heinrich Schliemann und bin gerade in ..."
- Station 7: "Die Burg des Agamemnon", oder auch das Mykene-Spiel genannt. Ein 1 Meter großes Stadtmodell muss so bewegt werden, dass eine Stahlkugel die vorgezeichneten Bahnen entlangrollt und dabei ausgewählte Stellen trifft, die dem Besucher akustisch näher erläutert werden.
- Station 8: "Der Burghügel (Hissarlik) von Troja" - Schicht für Schicht können Museumsbesucher den "trojanischen Tortenhügel" aufhäufen und sich über Besonderheiten jeder Besiedlungsschicht informieren
In der Mägdekammer
traten während der Sanierungsarbeiten Wandverkleidungen und Tapetenreste aus dem 19. Jahrhundert zutage, die unter Denkmalschutz gestellt wurden und im restaurierten Zustand besichtigt werden können.









