Heinrich Schliemann
Das Leben des Troja-Ausgräbers in Daten
"Schliemann bleibt für alle Zeiten der Mann, der Troja fand und der uns ein Jahrtausend griechischer Geschichte oder besser gesagt Menschheitsgeschichte schenkte. Und diesem Menschen schulden wir Ehrfurcht und Dankbarkeit, von der seine Irrtümer, seine Schrullen, seine menschlichen Fehler und Schwächen nichts abzubrechen vermögen." Heinrich Alexander Stoll
Kindheit in Mecklenburg
- 1822
am 6. Januar wird Johann Ludwig Heinrich Julius Schliemann als Sohn des protestantischen Pfarrers Ernst Schliemann in Neubukow geboren - 1823
Versetzung des Vaters auf die Pfarrstelle nach Ankershagen; Übersiedlung der Familie - 1831
die Mutter stirbt im 38. Lebensjahr nach der Geburt des neunten Kindes - 1832
Heinrich kommt in die Familie seines Onkels Friedrich Schliemann, Pastor in Kalkhorst (bei Grevesmühlen), um dort auf den Besuch des Gymnasiums vorbereitet zu werden - 1833
Schulzeit in Neustrelitz; aus Geldmangel muss er das Gymnasium verlassen und auf die billigere Realschule überwechseln
Lehr- und Wanderjahre
- 1836
Ostern beginnt Schliemann seine Lehrzeit als Handelsgehilfe in einem Krämerladen in Fürstenberg; ein Lungenleiden zwingt ihn, die Lehre abzubrechen - 1841
reist über Rostock nach Hamburg; er gerät in Existenznot und beschließt, nach Venezuela auszuwandern; vor der holländischen Küste erleidet er an Bord der "Dorothea" Schiffbruch - 1842
findet eine Anstellung als Kontorbote bei F. C. Quien in Amsterdam; erlernt autodidaktisch Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Portugiesisch - 1844
Korrespondent und Buchhalter im Kontor des Amsterdamer Handelshauses B. H. Schröder & Co.; Schliemann lernt autodidaktisch Russisch - 1846
Gründung und Leitung einer Handelsniederlassung in St. Petersburg im Auftrag der Firma Schröder & Co.; Aufstieg zum erfolgreichen Kauf- und Geschäftsmann
Kaufmann in Russland, Bankier in Amerika
- 1847
im Alter von 25 Jahren eröffnet Schliemann ein eigenes Handelshaus in St. Petersburg; er erhält die russische Staatsbürgerschaft - 1850
Reise nach Amerika; Gründung einer Goldgräberbank in Sacramento; Verdopplung seines Vermögens; Kapitalanlage im Eisenbahnbau - 1852
Rückkehr nach Russland; Ehe mit der Kaufmannstochter Jekaterina Petrowna Lyshina (1826- 1896), aus der die Kinder Sergej (1855-1941), Natalia (1859-1869) und Nadeshda (1861- 1935) hervorgehen; Schliemann gründet eine Handelsfiliale in Moskau - 1853
als Lieferant der zaristischen Armee im Krimkrieg gegen die Türkei, England und Frankreich erwirbt Schliemann enormes Vermögen; nach der ihm eigenen Methode erlernt er Schwedisch, Dänisch, Polnisch und Slowenisch - 1856
Schliemann versucht, aus dem Handelsgeschäft auszusteigen, Ländereien zu erwerben und sich hauptsächlich der Wissenschaft zu widmen, dazu erlernt er Neu- und Altgriechisch sowie Latein - 1859
Reisen in Europa und im Orient; Wiederaufnahme der Geschäfte - 1863
Ernennung zum Großkaufmann der Ersten Gilde in St. Petersburg - 1864
Schliemann liquidiert die Handelsunternehmung endgültig und verlässt Russland;
er reist nach Ägypten, Indien, China, Japan sowie Nord- und Mittelamerika
Studium und Reisetätigkeit
- 1866
Studium an der Sorbonne in Paris bis 1870 (Sprachen, Literatur, Altertumskunde), unterbrochen von größeren Bildungsreisen - 1868
Studienreise nach Griechenland und Troja;
er identifiziert den Hügel Hissarlik mit dem Troja Homers und führt erste archäologische Sondagen durch - 1869
mit seinem zweiten Buch (Ithaque, le Péloponnèse, Troie. Recherches archéologiques) wird er an der Universität Rostock zum Dr. phil. promoviert;
er reist nach Nordamerika und nimmt dort die amerikanische Staatsbürgerschaft an, die ihm die Scheidung der ersten Ehe ermöglicht; im September heiratet der 47jährige Schliemann in Athen die 17jährige Griechin Sophia Engastromenos (1852-1932); der Ehe entspringen die Kinder Andromache (1871-1962) und Agamemnon (1878-1954)
Der Archäologe Schliemann
- 1870
illegale Probegrabungen auf Hissarlik - 1871
die erste Grabungskampagne in Troja beginnt;
Schliemann lässt den großen Nord-Süd-Graben ("Schliemann-Graben") anlegen - 1872
zweite Grabungskampagne in Troja - 1873
dritte Grabungskampagne in Troja;
am 31. Mai entdeckt Schliemann den so genannten Schatz des Priamos und führt ihn illegal aus der Türkei aus - 1874
Versuchsgrabung in Mykene;
Prozess mit der türkischen Regierung (Hohe Pforte) um den trojanischen Schatz, den er gegen die Zahlung von 50.000 Francs erwirbt und zugestanden bekommt - 1875
Vortrags- und Museumsreise durch Europa; Grabungen in Italien (Alba Longa) und auf Sizilien (Motye) - 1876
Schliemann wird Ehrenmitglied der Society of Antiquaries of London;
bei Ausgrabungen in Mykene entdeckt er fünf Schachtgräber aus der Zeit um 1600 v.u.Z., die mit reichen Grabbeigaben versehen sind, darunter die so genannte Maske des Agamemnon - 1877
Schliemann wird auf Betreiben von Rudolf Virchow Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte - 1878
vierte Grabungskampagne in Troja - 1879
fünfte Grabungskampagne in Troja unter Teilnahme von E. Burnouf und R. Virchow;
Schliemann lässt durch den Architekten Ernst Ziller sein Athener Wohnhaus "Iliou Melathron" erbauen und bezieht es 1880/81 - 1880
erste Grabungen in Orchomenos; das so genannte Schatzhaus des Minyas wird freigelegt - 1881
zweite Ausgrabung in Orchomenos; Schliemann schenkt seine Sammlung trojanischer Altertümer dem deutschen Volk zu ungeteiltem Besitz und Aufbewahrung;
er wird Ehrenmitglied der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte und erhält die Ehrenbürgerschaft der Stadt Berlin - 1882
sechste Grabungskampagne in Troja unter Mitarbeit von W. Dörpfeld - 1883
Schliemann wird Ehrendoktor der Universität Oxford und Ehrenmitglied des Queen's College;
vierwöchiger Sommeraufenthalt der Familie Schliemann im Heimatdorf Ankershagen - 1884
Beginn der Grabungen in Tiryns;
Ausbruch der langjährigen Auseinandersetzungen mit dem Hauptmann a.D. Ernst Bötticher, der Schliemanns Grabungsergebnisse in Troja bezweifelt und den Ort für eine Feuernekropole hält - 1885
Fortsetzung der Ausgrabungen in Tiryns mit Wilhelm Dörpfeld;
Überreichung der "Großen Goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft" durch Königin Victoria in London;
Reise nach Mittelamerika und Kuba - 1886
dritte Ausgrabung in Orchomenos mit W. Dörpfeld;
Ägyptenreise (Nilreise) - 1888
Grabungen in Alexandria (Ägypten); Ägyptenreise gemeinsam mit R. Virchow - 1889
erste Troja-Konferenz auf Hissarlik mit E. Bötticher - 1890
im März findet die zweite internationale Gelehrtenkonferenz auf Hissarlik statt;
siebente Grabungskampagne in Troja mit W. Dörpfeld und R. Virchow - am 13. November unterzieht sich Schliemann einer Ohrenoperation in Halle/Saale
- am 26. Dezember stirbt Schliemann in Neapel auf der Rückreise von Halle nach Athen an den Operationsfolgen
- 1891
am 4. Januar wird Schliemann auf dem Athener Zentralfriedhof beigesetzt;
nach der Fertigstellung des neoklassizistischen Schliemann-Grabmals durch Ernst Ziller wird Heinrich Schliemann 1892 dorthin umgebettet










