Das Leben des Troja-Ausgräbers

Der Rundgang durch die Dauerausstellung beginnt mit Schliemanns Grabungstätigkeit in der heutigen Türkei und in Griechenland. Originalfunde, Modelle sowie beeindruckende Nachbildungen vom sogenannten „Schatz des Priamos“ oder von der berühmten „Maske des Agamemnon“, vermitteln einen Eindruck von Schliemann als „großer Entdecker“. Ein Bild, das auch heute noch die Person um Heinrich Schliemann maßgeblich prägt.

Doch wie wurde Heinrich Schliemann zum „Troja-Ausgräber“? Wer war Heinrich Schliemann wirklich? Diese Fragen klären sich in den nächsten Ausstellungsräumen. Sie widmen sich in chronologischer Abfolge dem abenteuerlichen Lebensweg Schliemanns: von der Kindheit in Ankershagen zum russischen Großkaufmann bis hin zum Visionär auf den Spuren der Archäologie.

„Schliemann bleibt für alle Zeiten der Mann, der Troja fand und der uns ein Jahrtausend griechischer Geschichte oder besser gesagt Menschheitsgeschichte schenkte. Und diesem Menschen schulden wir Ehrfurcht und Dankbarkeit, von der seine Irrtümer, seine Schrullen, seine menschlichen Fehler und Schwächen nichts abzubrechen vermögen.“ (Heinrich Alexander Stoll)

 

Kindheit in Mecklenburg


1822     
Am 6. Januar geboren in Neubukow als Johann Ludwig Heinrich Julius Schliemann

1823-1831
Die Familie zieht nach Ankershagen (Pfarrstelle des Vaters); Tod der Mutter am 22. Februar 1831

1832-1833
Schliemann kommt zum Bruder des Vaters nach Kalkhorst; drei Monate besucht er das Gymnasium in Neustrelitz

1834-1836
Realschule in Neustrelitz 

Lehr- und Wanderjahre


1836-1841
Lehrling und Handelsgehilfe in Fürstenberg 

1841
Reist über Rostock nach Hamburg; beschließt nach Venezuela auszuwandern; Schiffbruch mit der Brigg „Dorothea“ vor der holländischen Küste

1842-1844
Anstellungen in Amsterdam: Bürobote bei Hoyack und Quien; Schliemann erlernt autodidaktisch die Sprachen Englisch, Französisch, Spanisch, Holländisch, Italienisch, Portugiesisch

1844-1845
Anstellung als Handelsagent und Korrespondent bei B.H. Schröder & Co.; Schliemann erlernt die russische Sprache

1846
Gründung und Niederlassung einer Zweigstelle in St. Petersburg im Auftrag von B.H. Schröder & Co.


Kaufmann in Russland, Bankier in Amerika


1847
Eröffnung des eigenen Handelshauses in St. Petersburg; russischer Staatsbürger

1850-1852
Amerikareise; Gründung einer Goldgräberbank in Sacramento; Verdopplung seines Vermögens

1852
In Russland: Heirat mit Kaufmannstochter Jekaterina Petrowna Lyshina (1826-1896); drei Kinder: Sergej (1855-1941), Natalia (1859-1869), Nadeshda (1861-1935); Gründung der zweiten Handelsfiliale in Moskau

1853-1856
Im Krimkrieg (1853 – 1856) erwirbt Schliemann als Lieferant der zaristischen Armee enormes Vermögen; erlernt Schwedisch, Dänisch, Polnisch, Slowenisch, Neu- und Altgriechisch, Latein; ab 1856 versucht er aus dem Handel auszusteigen, zu reisen und Land zu erwerben

1859
Reisen in Europa und im Orient; Wiederaufnahme der Handelsgeschäfte

1863-1864
Großkaufmann der Ersten Gilde in St. Petersburg; im Frühjahr 1864 zieht sich Schliemann endgültig von den Handelsgeschäften zurück; Reisen nach Ägypten, Indien, China, Japan sowie Nord- und Mittelamerika 

Studium und Reisetätigkeit


1866-1870
Studium an der Sorbonne in Paris (Philologie, Philosophie, Literatur); Wohnsitz in Paris; dazwischen größere Bildungsreisen

1868
Studienreise nach Griechenland und Troja; er identifiziert den Hügel Hissarlik als das Troja Homers; erste Sondagen

1869
Promotion in Rostock mit seinem zweiten Buch „Ithaka“; erlangt die amerikanische Staatsbürgerschaft; Scheidung der ersten Ehe; Heirat mit der Griechin Sophia Engastromenos (1852-1932) am 24. September; zwei Kinder: Andromache (1871-1962) und Agamemnon (1878-1954) 


Der Archäologe


1870
Illegale Probegrabungen auf Hissarlik

1871
Erste Grabungskampagne in Troja; Errichtung des Nord-Süd-Grabens („Schliemann Graben“)

1872-1873
Zweite und dritte Grabungskampagne in Troja; am 31. Mai 1873 entdeckt Schliemann den „Schatz des Priamos“; illegale Ausführung aus der Türkei

1874
Versuchsgrabungen in Mykene; Gerichtsprozess mit der Türkei um den trojanischen Schatz; Schliemanns Einmalzahlung von 50.000 Franken

1875-1876
Vortrags- und Museumsreise durch Europa; Grabungen in Italien (Alba Longa) und auf Sizilien (Motye); in Mykene entdeckt Schliemann fünf Schachtgräber (um 1600 v.Chr.) mit reichen Grabbeigaben darunter die „Maske des Agamemnon“

1878
Vierte Grabungskampagne in Troja

1879
Fünfte Grabungskampagne in Troja unter Mitarbeit E. Burnouf u. Virchow; Errichtung seines Athener Wohnhauses „Iliou Melathron“ nach Plänen des Architekten Ernst Ziller; Bezug 1880/81 

1880-1881
Grabungskampagnen in Orchomenos; Freilegung des „Schatzhauses des Minyas“; Schenkung der Troja-Funde an das deutsche Volk

1882
Sechste Grabungskampagne in Troja unter Mitarbeit W. Dörpfelds

1884-1885
Ausgrabungen in Tyrins; Reise nach Mittelamerika und Kuba

1886
Dritte Ausgrabung in Orchomenos mit Dörpfeld

1888
Grabungen in Alexandria; Ägyptenreise zusammen mit Virchow

1889
Erste Troja-Konferenz auf Hissarlik mit Schliemann-Kritiker

1890
Zweite Troja-Konferenz auf Hissarlik; siebente Grabungskampagne in Troja mit Dörpfeld und Virchow; am 13. November Ohrenoperation in Halle/Saale; am 26. Dezember stirbt Schliemann in Neapel

1891
Am 4. Januar Beisetzung auf dem Athener Zentralfriedhof; nach der Fertigstellung des Schliemann-Grabmahls durch Ernst Ziller wird er 1892 dorthin umgebettet.